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Deutsche Sprichwörter
Über 19.000 deutsche Sprichwörter
Er a bis Er z
Flagge von Deutschland
Deutsche Sprichwörter  oder
Sprichwörter aus Deutschland ?


Schon vor Jahrhunderten wurden deutsche Sprichwörter oder der Deutschen gesammelt und veröffentlicht, von Agricola und Sebastian Franck im 16., Lehmann, Eyering, Petri, Gruter und Winckler im 17., Bücking, Siebenkees und Sutor im 18. bis Braun, Eiselein, Körte, Simrock und Wander im 19. Jahrhundert. Einige mundartliche Sammlungen kamen aus begrenzten Sprachgebieten, aber keine war „aus“ dem Land Deutschland. Bis 1806 gab es auch kein Deutschland, sondern nur seit dem 10. Jahrhundert das „Heiliges Römisches Reich“, ab dem 15. Jahrhundert mit dem Zusatz „deutscher Nation“.

Danach gab es mehrere regionale Herrschaftsgebiete, und seit 1871 das Deutsche Reich und das Kaiserreich Österreich-Ungarn. Hochdeutsch war ein Dialekt von mehreren, der z. B. in Prag bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts die Mehrheitssprache war und bis in die 1930er Jahren von über 42.000 Menschen als Muttersprache gesprochen wurde. Früher und heute wird Hochdeutsch außer in Deutschland auch in Österreich, in Teilen der Schweiz und den Grenzregionen in allen anderen Nachbarländern und teilweise in Afrika in den ehemaligen deutschen Kolonien gesprochen.

Im Deutschen Sprichwörter Lexikon hat auch Wander ohne jeden Unterschied jedes noch so entfernte deutschsprachige Werk aus anderen Ländern mit herangezogen. Der schweizerische Autor Kirchhofer schreibt im Vorbericht der Sammlung schweizerischer Sprichwörter „Wahrheit und Dichtung“ auf Seite 6 von einer Sammlung schweizerischer Sprichwörter, die nach München gegangen ist und nicht wiederkam. Sie wird wahrscheinlich eine andere deutsche Sammlung bereichert haben. Einigen „deutschen“ Sprichwörtern ist ihre schweizerische oder österreichische Herkunft auch anzumerken. Deswegen gibt es auch hier nur „Deutsche Sprichwörter“ und keine mit der Herkunftsbezeichnung „aus Deutschland“, da die meisten überall im deutschen Sprachraum entstanden und verbreitet sein können.

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Er barbiert jemanden über den Löffel.
(Sprichwort in Polen mit ähnlicher Bedeutung: Er seift jemandem die Augen ein.)

Erbarmen heißt verarmen.

Er bedarf keiner Brille, der wohl durch die Finger sieht (er sieht wohl durch die Finger).
(Wer durch die Finger sieht, sieht nicht so genau hin und drückt ein Auge zu. Er rügt nicht jede Kleinigkeit und sieht großmütig über kleine Fehler hinweg ohne sie zu beachten.)

Er bellt nur, um Hund zu heißen.

Er bellt wie der Hund nach dem Mond.

Er bessert sich wie der Pelz im Waschen.

Er bessert sich wie der Riemen im Feuer.

Er bessert sich wie junge Wölfe.

Er bessert sich wie Kolers Most, der ist Essig worden.

Er bessert sich wie sauer Bier.

Erbettelter Pfennig ist besser denn gestohlener Taler*33.

Erbgut erbt sich niederwärts und nicht aufwärts.
(Altes Rechtssprichwort das bedeutet, die Nachkommen erben vorrangig vor allen anderen.)

Erbherr, Oberherr.

Er bietet es an wie sauer Bier.

Er bindet Gott einen flächsernen Bart um.
(Mit Scheinheiligkeit und falschen Behauptungen wird Betrug begangen.)

Erbitten ist teurer, denn kaufen.

Er bläst kalt und warm aus einem Munde.
Er bläst warm und kalt aus einem Munde.
Es geht ihm warm und kalt aus einem Mund.

Er bleibt aus wie Röhrwasser.

Er bleibt bei dem Mann wie der Has(e) bei dem Hunde.
Er bleibt dabei, wie der Haase bei den Hunden.

Er bleibt bei seinen Worten wie der Hase bei der Trommel (bei seinen Jungen).

Er bleibt bei seinen Worten wie ein Pelz auf dem Ärmel.

Er bleibt lang aus, der nicht kommt.

Er bohrt das Brett, wo's am dünnsten ist.
(Das bedeutet, er macht sich nicht gerne überflüssige Arbeit und macht nur das, was unbedingt nötig und nicht vermeidbar ist.)

Er bohrt gern Löcher in andrer Leute Haut.
Er bohrt gern Löcher mit dem elften Finger in andrer Leute Haut.
Mit dem elften Finger ein Loch durch die Kanzel bohren.
Er hat ein Loch durch die Kanzel gebohrt.
(Erklärung des Sprichworts nach Wander: Ein früher Theologe musste sein Amt in der Kirche aufgeben, da durch ihn ein Mädchen ihre Unschuld verloren hatte. Der elfte Finger ist eine verhüllende Form (Euphemismus) für Penis. Die Kanzel meint damit den Beruf als Theologe in der Kirche mit dem Zölibat. Andere Deutung für den elften Finger: Spott auf die, welche behaupten, etwas zu können, wozu ihnen offenbar Mittel und Kräfte fehlen, da es eben einen elften Finger nicht gibt.)

Er brät den Hering wegen des Rogens.
(Mit der Wurst nach dem Schinken werfen, kleine Opfer bringen wegen eines größeren Vorteils.)

Er brockt mehr ein, als zehn ausessen können.

Erbschaft ist oft kein Gewinn.

Er bummelt wie eine fette Gans.

Er darbt`s am Halse und frisst`s selber.

Er darf nicht Kiefen kaufen, sein Weib gibt ihm zu Weihnachten genug.
(Aus dem Altdeutschen: Kiefen, Kieferbsen (auch Küfen) = grüne Erbsen in Schoten; kiefen (auch küfen) = keifen, zanken oder mühsames kauen. Ein Wort mit zwei unterschiedlichen Bedeutungen, je nachdem, ob es groß- oder kleingeschrieben wird, manchmal auch doppeldeutig.)

Er darf sich sehen lassen, wie finster es auch ist.

Er denkt drei Meilen*23 hinter Gott.

Er denkt länger als seine Mutter.

Er denkt nicht, dass Dreck sein Vetter ist.

Er dreht die Bolzen und lässt andere schießen.

Erfahrenheit meistert den Toren, Vernunft den Gelehrten.

Erfahren kommt mit den Jahren.

Erfahren lehrt fahren.

Erfahren wir`s nicht neu, so erfahren wir`s doch alt.

Erfahr`s, so wirst du klug.

Er fährt hinein wie der Bauer in die Stiefel.

Erfahrung geht vor Unterricht.

Erfahrung ist das, was man kriegt, wenn man nicht bekommt, was man will.


Erfahrung ist der Narren Vernunft.

Erfahrung ist die beste Lehrmeisterin.
(Erfahrung ist der beste Lehrmeister.)
(Ein altes Sprichwort, das auch heute noch gern und oft verwendet wird, und meistens falsch. Heutzutage wird fast überall versucht, die Sprache geschlechtsneutral zu verwenden, oder es wird hinter einem männlichen Wort ein /innen angehängt. Beispiele aus Stellenanzeigen: Mitarbeiter/innen, Techniker/inen, Verkäufer/innen. Bei diesem Sprichwort ging es umgekehrt.
Bei Sprichwörtern ist eine männliche Sichtweise und Dominanz unverkennbar, mit wenigen Ausnahmen. Dieses Sprichwort ist so eine Ausnahme: Schon 1846 stand in der Sprichwörtersammlung von Karl Simrock unter Nr. 2106: „Erfahrung ist die beste Lehrmeisterin.“. Ebenso hat es Wander 1867 mit „Lehrmeisterin“ ins Sprichwörter Lexikon übernommen. Nur in den letzten Jahrzehnten ist an allen Stellen, an denen dies Sprichwort zitiert wird, dem entgegengesetzt aus der „Lehrmeisterin“ ein „Lehrmeister“ geworden. In den Köpfen scheint die männliche Dominanz noch immer die Vorherschaft zu besitzen. In derselben Sammlung von Simrock finden sich noch zwei weitere Lehrmeisterinnen: Nr. 7429 „Die Natur ist die beste Lehrmeisterin.“ und Nr. 12071 „Die Zeit ist des Menschen Lehrmeisterin.“. Bei der Gleichstellung von Mann und Frau, auch in Sprache und Sprichwort, haben diese Lehrmeisterinnen noch keinen Erfolg.
Unabhängig von Meisterin oder Meister bedeutet das Sprichwort, durch Erfolge oder Misserfolge lernt man Dinge und wird von Mal zu Mal besser. Durch Wiederholungen erwirbt man Erfahrungen und lernt.)

Erfahrung ist eine teure Schule.

Erfahrung ist ein langer Weg und eine teure Schule.


Erfahrung ist Meister.

Erfahrung (Verstand) kommt nicht von den Jahren.

Erfahrung lehrt aufs Wort merken.

Erfahrung macht klug.
(Das Sprichwort bedeutet, durch Erfolge oder Misserfolge lernt man Dinge und wird von Mal zu Mal besser. Durch Wiederholungen erwirbt man Erfahrungen, lernt und wird klug.)

Erfahrung trügt nicht.

Er fällt hinein, wie ein wild(es) Schwein.

Er findet jeder Flasche den Stöpsel.
(Das Sprichwort bezeichnet einen Vorwitzigen, der meint, alles zu wissen und zu können.)

Er flickt andern die Schuh und geht selber barfuß.

Er flieht den Rauch und fällt ins Feuer.

Erfolg bindet, Misserfolg trennt.

Er folgt ihm, wie sein Schatten.

Er fragt den Wirt, ob er guten Wein hat.

Er fragt, ob man's noch tue.

Er fragt viel darnach, was das Korn gelte!

Er freit die Person und meint das Geld.

Er frisst Hobelspäne und sch– Tannenbord.

Er gäbe Gott und allen seinen Heiligen nicht einen Heller*17.

Er gab' einen guten Kriegsmann ab, hinter dem Ofen.

Er gehört zur verlornen Schildwache.

Er geht beim Teufel zur Beichte.
(Er verrät Geheimnisse den Feinden.)

Er geht darüber hin wie der Hahn über die Kohlen.
Er läuft darüber wie der Hahn über die Kohlen.

Er geht davon, wie die Katze vom Taubenschlag.

Er geht drei Heller*17 und schnaubt sieben Batzen*2.

Er geht durch den Wald und sieht keine Bäume.
(Jemand ist so zerstreut, dass er das Wesentliche nicht erkennt.)


Er geht nicht gern bei einem Leinfeld vorüber.
(Damit ist der Dieb gemeint, der an den Hanf oder Leinen denkt, aus dem der Strick gemacht wird, um ihn aufzuhängen.)

Er geht weg, wie der Reif vom Zaune.

Er gewinnt das Kratzen hinter den Ohren.

Er gewinnt das Zusehen.

Er gibt einen guten Kriegsmann ab, aber hinter dem Ofen.

Er gibt gern - seinem Maul, wenn ihn hungert.

Er gibt gern zu essen, aber nur seinen Schweinen.

Er gibt mit dem Mund, aber die Hände halten fest.

Er gibt nicht gerne mehr, als er im Auge leiden kann.

Er glänzt, wie Karfunkel vorm Ofenloch.

Er grüßt gern, wo unser Herrgott einen Arm herausstreckt.

Erhalten ist schwerer als erwerben.

Erhalten ist so löblich, als erwerben.

Er hält es wie der Hund die Fasten.

Er hält ihm den Daumen.

Er hält's mit den kurzen Gänsefedern.

Er hängt der Katze die Schelle um.
(Er setzt alle über eine Sache in Kenntnis.)

Er hängt sich an, wie Kot ans Rad.

Er hasst den Schulsack, wie schön er auch gemalt ist.

Er hat alle Sinne bis auf fünf.

Er hat alles verpulvert.

Er hat all sein Pulver verschossen.

Er hat bei mir noch was auf der Nadel.
(Das bedeutet, er hat Schulden noch nicht beglichen. Für die Arbeit eines Schneiders wurde noch nicht bezahlt.)

Er hat Bohnen in den Ohren.
(Das bedeutet, er will nicht hören.)

Er hat das Kanonenfieber.
(Kanonenfieber = Angst, die den Neuling beim gegnerischen Angriff und Beschuss, ähnlich dem Lampenfieber, befällt. Im Sprichwörter Lexikon von Wander: „Eigentlich die fieberartige Erregung, die einen im Bereich der Kugeln ergreift, um die Furcht vor dem Schlachtenkampf zu bezeichnen.“ Der Begriff „Kanonenfieber“ wurde vom deutsche Dichter Goethe bei der Kanonade von Valmy am 20. September 1792 geprägt. Johann Wolfgang von Goethe nahm als Begleiter Herzog Karl August von Sachsen-Weimar am Feldzug der Koalitionsarme gegen Frankreich teil und beschrieb in seinem Bericht sein Kanonenfieber. Am 21. September wurde daraufhin in Paris der König abgesetzt und die Republik proklamiert. In seinem autobiografischen Bericht „Kampagne in Frankreich“ schrieb er 30 Jahre später auch, er habe zu einigen Offizieren gesagt: „Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus, und ihr könnt sagen, ihr seid dabei gewesen.“)

Er hat das Pulver nicht erfunden.
(Das bedeutet, des derjenige nicht sonderlich klug ist.)

Er hat dem Schulmeister einmal guten Morgen geboten.

Er hat den Flicken neben das Loch gesetzt.
Er hat den Platz neben das Loch gesetzt.

Er hat den rechten Schlüssel zur Harfe gefunden.

Er hat den Wolf zur Schafherde gestellt.
(Gleiche Bedeutung wie: Den Bock zum Gärtner setzen.)

Er hat der Sehnen mehr an seiner Geige.

Er hat die ganze Scheibe verfehlt.

Er hat die Gicht im Daumen.
(Das bedeutet, er kann nicht bezahlen.)

Er hat die Leiter hinter sich aufgezogen.

Er hat die Pille (richtig) verschluckt.

Er hat die Weisheit mit Schaumlöffeln gegessen.

Er hat drei Buchstaben auf einem Lebkuchen gegessen.
(Gleiche Bedeutung wie das nachfolgende Sprichwort. Das Sprichwort findet sich auch bei Wander unter Buchstabe Nr. *11.)

Er hat ein Buch durch ein Nabenloch gesehen.
(Bei Wander unter Buch Nr. *55. Das bedeutet, mit seinem Wissen ist es nicht weit her. Durch das Nabenloch eines Wagenrades kann man nicht viel erkennen, schon gar nicht das, was in einem Buch steht.)
Er hat ein Buch durch ein Nachbarloch gesehen.
(Das Sprichwort mit „Nachbarloch“ haben Körte, Simrock und andere immer wieder falsch abgeschrieben. Das Sprichwort mit „Nabenloch“ ist das ursprüngliche und richtige Sprichwort, wie es 1541 bei Sebastian Franck steht. Da es damals noch keine einheitliche Rechtschreibung gab, wurde teilweise falsch abgeschrieben oder eigenständig verändert, so wie bei diesem Sprichwort. Einige solcher Fehler haben sich bis in die heutigen Sprichwörtersammlungen erhalten.
Das war teilweise auch die Ursache für gegenseitige Kritik der Autoren von Sprichwörterbüchern im 19. Jahrhundert. Dazu gehörten Wilhelm Körte, Karl Simrock, Otto Freih. von Reinsberg-Düringsfeld und Ida von Düringsfeld und Karl Friedrich Wilhelm Wander. Der zu diesem Sprichwort gehörende Kommentar vom Wander im 3. Band seines Sprichwörter Lexikons in der Einleitung auf Seite X:
„In der ersten Auflage von Körte steht unter Nr. 762b zur Bezeichnung eines Menschen, mit dessen Wissen es nicht weit her ist, die Redensart: „Er hat ein Buch durch ein Nachbar loch gesehen.“ In dieser Fassung ist sie 1846 in die Simrocksche Sprichwörtersammlung unter Nr. 1377b übergegangen und 1863 in der zweiten Auflage erschienen. In dieser lächerlichen Lesart hat sie sogar aus Simrock den Weg in Grimm's Wörterbuch (II, 469, unter Buch 11) gefunden. Die Redensart lautet aber: „Er hat ein Buch durch ein Nabenloch gesehen.“ Da sich die falsche Lesart zuerst bei Körte, den der Grenzbotenkritiker als Autorität gegen mich anruft, findet, so ist anzunehmen, dass er sie selbst fabriziert hat. Es befinden sich in seinem Buch unter 762b, 765c und 5431d drei Redensarten, die bei Franck, I, 1b beisammenstehen und gebraucht werden, „wenn einer seicht gelert, ein Ding zu lernen erst hat angefangen vnd es nit wol kan“. Sie stehen in meinem „nicht wissenschaftlichen“ Deutschen Sprichwörter-Lexikon mit buchstäblicher Genauigkeit unter Buch 55, Buchstabe 11 und Sau 351. Körte hat sie alle drei in seiner Art wissenschaftlich verbessert. Die Redensart, um die es sich hier handelt und die bei mir unter Buch 55 quellengenau aufgeführt ist, lautet bei Franck: „Er hat ein buch durch ein neber loch gesehen.“ Aus „neber“ hat nun Körte „Nachbar“ gemacht. Simrock hat diese Verbesserung in seine Sammlung aufgenommen und aus dieser ist sie in das Grimm'sche Wörterbuch gelangt. „Neber“ bezeichnet aber nicht den Nachbar; der Näber (vgl. Campe, Wörterbuch, III, 387b) ist vielmehr ein Bohrer, womit die Naben ausgebohrt werden, ein Nabenbohrer, und ein Nabenloch ist eben ein Loch, das durch einen „neber“, Näber oder Nabenbohrer gebohrt worden ist. Nach der witzigen Ansicht des Kammerjägers in den Grenzboten, die Dr. Hans Blum als Evangelium abgedruckt hat, ist dadurch der wissenschaftliche Werth von Grimm's Wörterbuch erschüttert, ja sogar der wissenschaftliche Standpunkt des Dr. W. Körte, K. Simrock's und – der Gebrüder Grimm.“)

Er hat einen anschlägigen Kopf, wenn er die Treppe herunterfällt.

Er hat einen Besenstiel im Rücken.
(Das bedeutet, er ist zu stolz, er kann oder will sich nicht bücken und höflich sein.)

Er hat einen Christoffel, der ihn übers Wasser trägt.

Er hat einen Deckel auf dem Kopf.
(Man ist ertappt worden und wird zur Verantwortung gezogen, muss für mögliche Schäden haften.)

Er hat einen Korb bekommen.

(Sein Antrag ist ablehnt worden.)


Er hat einen Lappen als Wappen auf dem A–.

Er hat einen Nagel im Kopf.
(Damit wird ein Hochmütiger verspottet. Das Sprichwort stammt vom gepfählten Verbrecherkopf, der zur Abschreckung auf hohe Pfähle genagelt wurde und damit höher kam, als er wohl ursprünglich wollte.)

Er hat einen pommerischen Magen, er kann Kieselsteine vertragen.

Er hat eine tüchtige Schlappe davongetragen.
Eine Schlappe davontragen.

Er hat ein gutes Mundstück.

Er hat ein Leben wie Gott in Frankreich.

Er hat ein Loch zurückgesteckt.
(Das bedeutet, man treibt weniger Aufwand, die Ansprüche werden gesenkt.)

Er hat ein Maul, man sollte besch– Windeln drin waschen.

Er hat ein Pflaster für alle Wunden.

Er hat ein scharf Gesicht, er sieht durch eine eichene Tür.

Er hat ein Scheit im Rücken, kann sich drum nicht bücken.
Er kann sich nicht bücken, hat ein Scheit im Rücken.
Er trägt ein Scheit im Rücken.
(Sprichwort ist vergleichbar mit dem Nächsten)

Er hat ein Schelmenbein im Rücken.
Er hat ein faul Schelmenbein im Rücken.
Ihm steckt ein Schelmenbein im Rücken!
(Das bedeutet laut Wander im Sprichwörter Lexikon: „Von den Arbeitsscheuen, Trägen und Bequemen, die sich nicht gern bücken, sondern lieber alles von andern tun lassen. . . wenn man (aber) den Namen Christi in der Kirche nennt, haben sie ein solch langes Schelmenbein in den Knien stecken und seien so faul, dass sie sich nicht neigen mögen; ich will geschweige, wenn sie sich erst bücken sollten.“. Das Schelmenbein geht wahrscheinlich auf Sebastian Brant (1457–1521) zurück, der diesen Spruch erstmals 1494 im „Narrenschiff“, von Johann Bergmann von Olpe in Basel gedruckt, veröffetlichte. Es findet sich im 63. Kapitel „Von Bettlern“. Seitdem wird es von verschiedenen Autoren in deren Sprichwörtersammlungen mit aufgeführt. Dazu gehören Eyering 1601, Schottel 1663, Körte 1837, Eiselein 1840, Simrock 1846 und Wander 1876.
Text im Narrenschiff (herausgegeben von Karl Simrock 1872):
Wo er gesund noch ist und stark
Und zur Arbeit hätte Kraft und Mark;
Nur freilich kann er sich nicht bücken:
Ihm steckt ein Schelmenbein im Rücken.)

Er hat ein Stück vom Schulsack gefressen.

Er hat ein vierblätteriges Kleeblatt gefunden.

Er hat es im Griff wie der Bettler die Laus.

Er hat Geld wie Heu, nur nicht so lang.

Er hat gewiss Vögel unterm Hut, dass er nicht grüßt.

Er hat ihm eine Perle aus der Krone gestoßen.

Er hat ihm in die Karten geguckt.

Er hat keinen Löffel dabei zu waschen.

Er hat klebrige Finger.

Er hat lange Finger, die finden, ehe man verliert.

Er hat läuten gehört, aber nicht zusammenschlagen.

Er hat läuten hören, weiß aber nicht, in welchem Dorf.
Er hat läuten gehört, weiß aber nicht, wo die Glocken hangen.

Er hat Lunte gerochen.
(Bei den ersten Schusswaffen oder bei Sprengungen mussten die Ladungen mit einer Zündschnur, der Lunte, gezündet werden. Das langsame Abbrennen dieser Lunte konnte man bei günstigem Wind riechen und sich vor dem Schuss oder der Explosion in Sicherheit bringen. Wer Lunte riecht, kann sich so meist vor der drohenden Gefahr in Sicherheit bringen. Das Sprichwort meint heute nicht mehr Schusswaffen, die inzwischen ohne Lunte funktionieren, sondern jede von anderen drohende Gefahr.)

Er hat mehr auf dem Balg, als das Fleisch wert ist.

Er hat mehr in sich, als ein leerer Hering.
(Es gibt einen tieferen Sinn, als oberflächig zu erkennen ist.)

Er hat mit guten Zähnen übel zu beißen.

Er hat Mosen und die Propheten.

Er hat nicht so viel Muße, dass er sich könnt hinterm Ohr kratzen.

Er hat noch große Rosinen im Sack.

Er hat noch kein Pulver gerochen.
(Das bedeutet, er hat seinen Mut oder Können noch nicht unter Beweis gestellt, er hat sich noch nicht bewehrt. Als gegenteiliges Sprichwort gibt es weiter unten auch: Er hat schon Pulver gerochen.)

Er hat nur zwei Hände, eine zum Nehmen, eine zum Behalten; die zum Geben fehlt ihm.

Er hat Quecksilber im Hintern.

Er hat Rudolfs Redlichkeit [Ehrlichkeit] (nicht).
(Rudolf I. war von 1273 bis 1291 der erste römisch-deutsche König aus dem Hause Habsburg und beendete die Zeit des „Interregnums“. Er war für seine Redlichkeit und Verlässlichkeit bekannt, die andere vor und nach ihm nicht hatten. Wer sein Wort gab und es nicht hielt, der hatte Rudolfs Redlichkeit oder Ehrlichkeit nicht. Wer zu seinem Wort stand, hatte sie.)

Er hat's am Schnürchen.

Er hat's aus den Fingern gesogen.

Er hat Schellen am Ars.
(Nach Körte bedeutete das früher: „böse Pferde, vor denen man sich zu hüten habe.“)

Er hat schon Pulver gerochen.

Er hat Schultheißen-Ohren.

Er hat Schwalben unterm Hute, dass er nicht grüßen darf.

Er hat seinen Meister gefunden.
(Sprichwort mit der gleichen Bedeutung in Polen: Da traf die Sense auf den Stein.)

Er hat sein Geld in einen Wetzstein genäht, den hat ihm der Hund geholt!

Er hat sein Gütlein unter der Nase vergraben.

Er hat seine Schäfchen aufs Trockne gebracht.
Er hat sein Schäfchen im trocknen.

Er hat's faustdick hinter den Ohren.

Er hat sich breitschlagen lassen.

Er hat sich der Welt abgetan und zu den Leuten bekehrt.

Er hat sich die Nase begossen.

Er hat sich die Nase verbrannt.

Er hat sich selber die Rute auf den Rücken gebunden.

Er hat sich zur Ruh gesetzt und ist Bote geworden.

Er hat so viel Tugenden, als ein alt Weib Zähne.
(Da in früheren Zeiten ohne Zahnärzte schlechte Zähne einfach ausfielen, hatten alte Weiber (Frauen) meist keine Zähne mehr. Es ist also ein schlechter Mensch ohne jede Tugend gemeint.)

Er hat um eine Note zu hoch gesungen.
Er singt eine Note zu hoch.
Er singt immer eine Note zu hoch.
(Das bedeutet, er macht oder versucht etwas, was über seine Kräfte oder Möglichkeiten hinaus geht. Ein jahrhundertealtes Sprichwort, vergleichbar mit dem heutigen: Er hat zu hoch gepokert. Er ist ein zu hohes Risiko eingegangen und hat verloren, er hat sich verspekuliert.
Ähnliches Sprichwort: Wenn man das Liedchen zu hoch anfängt, . .)

Er hat viel Flöhe hinter den Ohren.

Er hat viel zu schaffen und wenig auszurichten.
Es hat mancher viel zu schaffen und wenig auszurichten.
Es hat mancher viel zu schaffen und wenig auszurichten und ist ihm wenig befohlen.
(Das bedeutet, jemand mischt sich überall mit ein und steckt seine Nase überall hinein, ohne das ihn jemand darum gebeten oder aufgefordert hätte. Er macht großes Aufheben von Kleinigkeiten und bringt trotzdem nicht viel zuwege. Ursprung des Sprichworts ist die Bibel, Jesus Sirach 3, 25: „Denn dir ist vor mehr befohlen, weder du kannst ausrichten.“)

Er hat viel zu schaffen, und wenig ist ihm befohlen.

Er hat vor der Taufe geniest.
(Ein Sprichwort aus dem Aberglauben. Angeblich soll ein Kind, dass vor der Taufe niest, ein überkluges oder altkluges Kind werden. Nach einem anderen Aberglauben muss man sogleich „Helfgott“ sagen, sonst kommt der Teufel und tauscht das Kind gegen einen Wechselbalg aus. Noch andere behaupten, wenn Kinder bei der Taufe schreien, werden sie nicht sehr alt. Aberglaube, aus dem sich auch heute noch jeder das heraussucht, woran einer glauben will.)

Er hat was um und an, zu beißen und zu brocken.

Er hat, was vor dem Daumen hergeht.

Er hat weder etwas zu nagen, noch zu beißen.

Er hat weder Geschick noch Gelenk.

Er hat weder Saft noch Kraft.

Er hat wohl was, wenn der arme Kaiser nur was hätte.

Er hat zu hoch gepokert.
(Das bedeutet, er ist ein zu hohes Risiko eingegangen und hat verloren, er hat sich verspekuliert. Poker ist der Name von Kartenspielen, die mit Pokerkarten des angloamerikanischen Blatts zu 52 Karten gespielt werden. Jeder Spieler hat fünf Karten in der Hand, welche die anderen Spieler nicht kennen. Alle setzen Geld, Spielmarken oder Chips auf die Gewinnchancen der eigenen Karten. Den gesamten Einsatz bekommt der Spieler mit dem stärksten Blatt oder dem verbliebenen Spieler, wenn alle anderen ihren Einsatz wegen mangelnder eigener Gewinnaussichten weiter zu erhöhen. Da man bis zum Schluss keine Kenntnis der Karten der Mitspieler hat, muss man an deren Verhalten die Gewinnaussichten ablesen und geht dabei oft ein sehr hohes Risiko ein des Verlierens ein. Alte Sprichwörter mit ähnlicher Bedeutung: Er hat um eine Note zu hoch gesungen. und Er singt eine Note zu hoch.)

Er hat zu schaffen wie Meta, die drei Bohnen auf dem Feuer hatte und sich nicht Zeit ließ, eine zu kosten.

Er hebt den Löffel auf und zerbricht die Schüssel.

Er heischt die Schläge, wie's Pferd sein Futter.

Er heult mit den Wölfen im Busch (Wald) und blökt mit den Schafen im Felde.

Er hofiert in sein eigen Nest, wie ein Wiedehopf.

Erholung tut Leib und Seele wohl.

Er hört die Flöhe husten.

Er hört gern mit der Sauglocke läuten.

Er hört Läuten aber nicht zusammenschlagen.

Er hört Läuten, weiß aber nicht wo.

Er hört wie ein Esel auf die Leier.
(Menschen ohne Bildung können sich kein Urteil über Dinge machen, von denen sie nichts verstehen.)


Er irrt sich wie Johann Niklas sein Kater: als er meinte, er säß' auf der Katze, saß er auf einem Torfkuchen.

Er ißt das Zicklein, eh die Geiß gelammt hat.

Er isst keine Schuhnägel.

Er ist aller Welt ein Überbein.

Er ist am kurzen Atem gestorben.

Er ist auf dem Rücken zur Kirche gegangen.

Er ist aus Saulus worden ein Paulus.

Er ist aus Schilda!

Er ist bei der Hand wie der Spieß hinter der Türe.

Er ist bekannt, wie der bunte Hund.

Er ist darauf erpicht wie der Teufel auf eine arme Seele.

Er ist das fünfte Rad am Wagen.

Er ist dazu gekommen, wie der Hund zur Bratwurst.

Er ist dazu gekommen wie Pilatus ins Credo.

Er ist dem Teufel aus der Bleiche gelaufen.

Er ist der erste Edelmann von seinem Geschlecht.

Er ist der hoffärtige Esel.
(Ein Esel trug Heiligtümer und meinte, man bete ihn an. Genauso gibt es Menschen, die fälschlich Lob auf sich beziehen, obgleich sie nicht gemeint sind. Wer so etwas nicht bemerkt, wird Esel genannt.)

Er ist der Punkt auf dem i.
(Das bedeutet, der Punkt ist nur klein und unwesentlich, doch ohne den Punkt ist es kein i. Der i-Punkt ist das gewisse Extra, das eine Sache erst vollkommen macht.)

Er ist die Petersilie in allen Suppen.
(Das bedeutet, er drängt sich in alle Gesellschaften und will überall dran teilnehmen.)

Er ist Doktor, sie ist Meister.

Er ist eben nur so viel gesalzen, dass er nicht faule.

Er ist eigen wie Johann Fink, der wollte nicht am Pranger stehen.

Er ist ein armer Lazarus.

Er ist ein dummer Zipfel.

Er ist eine Sonnenuhr, zeigt nur, solange die Sonne scheint.

Er ist ein gehetztes Reh.

Er ist ein gewanderter Gesell, einmal zu Markt, zweimal zur Mühle und dreimal zu Bade gewesen.

Er ist ein guter Narr, ich wollte Holz auf ihm hacken.

Er ist ein Hund, wenn er nur einen Schwanz hätte.

Er ist ein Jaherr.

Er ist ein Kannengießer.
(Kannengießer = Stammtischpolitiker; politischer Schwätzer ohne Sachverstand. Ausdruck nach der Komödie „Der politische Kannengießer“ (Uraufführung 25.9.1722 im Lille Grønnegade Theatre, Kopenhagen) des dänisch-norwegischen Dichters Ludvig Holberg (1684–1754))

Er ist ein kluger Maler, geraten ihm die Engel nicht, so macht er Teufel daraus.
Maler können nicht verderben, gerät der Engel nicht, so machen's ein (malen sie) Teufel.
Maler können nicht verderben: Geraten die Engel nicht, malen sie Teufel.

Er ist ein Narr, wenn er gleich die Stube voll Geld hätte.

Er ist ein Neidkragen (Neidhart).

Er ist ein Nimmersatt.

Er ist ein Pfeilbeißer.
(Er ist ein scheinheiliger Heuchler.)


Er ist ein Philister.
(Eine alte Bezeichnung von Nichtstudenten und veraltenden Gelehrten durch Studenten, laut Wander aufgekommen ab 1693 in Jena.)

Er ist ein Pinsel.

Er ist ein Prahlhans.

Er ist ein Prophet, der Brot isst.

Er ist ein Schelm, so weit ihn das Hemd anrührt.

Er ist ein Unglücksvogel.

Er ist fertig bis aufs Leimen.

Er ist Fuchs und Hase.
Ist es Fuchs oder Hase.

Er ist Gott einen armen Mann schuldig.

Er ist gröber denn Bohnenstroh.

Er ist gut nach dem Tode zu schicken.

Er ist (sieht) ihm so ähnlich, als wäre er ihm aus dem Maule gekrochen.
Er ist ihm so ähnlich, als wäre er ihm aus der Haut geschnitten.
Er ist ihm wie aus der Haut geschnitten.

Er ist im Lausepelz zur Welt getragen.

Er ist in der Kluppe wie eine Laus zwischen zwei Daumen.

Er ist in Harnisch gebracht.
(Er ist zornig und aufgebracht geworden.)

Er ist in Rom gewesen und hat den Papst nicht gesehen.
(Das bedeutet, man ist an einem Ort gewesen und hat das wichtigste, sehenswerteste und eindrucksvollste seiner Art an dem Ort nicht gesehen. Wenn einem das Beachtenswerteste seiner Art entgangen ist, ist es so, als wäre man nicht dort gewesen.)

Er ist keinen Schuss Pulver wert.

Er ist kein Kaufmann, er bietet die Hälfte.

Er ist kein Leckermaul, frisst auch roh und faul.

Er ist lange hier gewesen und kennt noch keine Gasse, darin er nicht schuldig ist.

Er ist Meister, wenn sie nicht daheim ist.

Er ist mild auf der nehmenden Seite, auf der andern aber hart.

Er ist mir verwandt, aus der neunten Suppe ein Tünklein.

Er ist mit allen Hunden gehetzt.

Er ist mit der Pelzkappe geschossen.

Er (Es) ist mit Dreck (Tinte) rein gewaschen.

Er ist mit einer Sau durch die Schule gelaufen.
(Bei Wander unter Sau Nr. *351. Das bedeutet, mit seinem Wissen ist es nicht weit her. Siehe auch das Sinnverwandte Sprichwort: „Er hat ein Buch durch ein Nabenloch gesehen.“)

Er ist mit Schelm gefüttert.

Er ist nicht der Letzte, wenn er vorangeht.

Er ist nicht so gar voll Schellen als ein Schlittengaul.

Er ist nicht von Gebingen, sondern von Nehmingen.

Er ist nicht wert eine Prise Tabak.
(Ähnlich in Polen: Er ist dunkel, wie der Tabak im Horn. Wer mit dem Sprichwort gemeint wird, mit dessen Verstand ist es nicht weit her. Er ist ein Narr oder Dummkopf.)

Er ist niemandem etwas schuldig, als nur Herrn Jedermann.
Er ist niemand mehr schuldig als Herrn Jedermann.

Er ist noch gelb um den Schnabel.

Er ist noch nicht trocken hinter den Ohren.

Er ist nur eben so viel gesalzen, dass er nicht faule.

Er ist reich daheim, weiß aber sein Haus nicht.

Er ist seiner Mutter Sohn, wie eine Geiß.

Er ist seiner Protektion milder denn seiner Gaben.

Er ist seines Mauls Stiefvater.

Er ist sein so mild wie St. Lienhard seines Eisens: er gibt es niemand, es stehl' es ihm denn ein Dieb.

Er ist so faul, dass ein anderer für ihn niesen muss, wenn er schnupft.

Er ist so klug, er hört das Gras wachsen.

Er ist so weit gereist, dass er immer noch gerochen, ob seine Mutter Kuchen buk.

Er ist Storch und Klappermaul.

Er ist tapfer hinterm Ofen.

Er ist über Nacht aufgeschossen wie ein Pilz.

Er ist unmäßiger als 's Käterli Künzli, die saß neun Jahr in einer Badstube zu Haus und hatte nie Zeit, sich zu waschen.

Er ist unterm Besen getraut.
(Er ist ohne kirchlichen Segen getraut.)

Er ist verstockt wie der linke Schacher.

Er ist vom Regen in die Traufe gekommen.
(Ein schlimmer Zustand wird noch weiter verschlimmert, der Unglückliche wird noch unglücklicher oder wenn man erst kein Glück hat kommt auch noch Pech dazu.)


Er ist vom Rost in die Glut gefallen.

(Aus dem Regen in die Traufe.)


Er ist von dem Adel, der die Nas am Ärmel wischt.


Er ist weder Fuchs noch Hase.

Er ist weder kalt noch warm.

Er ist wie der Hanswurst im Trauerspiel.

Er ist wie der Zeiger an der Uhr, er geht, wie man ihn stellt.

Er ist wie der Schatten an der Wand.

Er ist worden rot, nun hat es keine Not.

Er ist zufrieden titulo pro vitulo (der Titel des Stiers).

Er (Es) ist zu halten, wie 'n Aal bei'm Schwanze und ein Weib bei'm Worte.

Er ist zum Fuchs (ge)worden.
(Das bedeutet, er ist gestorben. Nach Agricola (1530) ist es ein sinnbildlicher Vergleich mit dem Fuchs, der sich in seinem Bau unter der Erde verbirgt. Der verstorbene Mensch ist im Grab unter der Erde ebenso verborgen.)

Er ist zwischen dem Brotschrank und der Molkenkammer groß geworden.

Er jagt dem Wolf das gefressene Schaf ab.

Er kam dazu wie der Hund zur Bratwurst.

Er kam gezogen wie die Flieg aus der Buttermilch.

Er kam nie recht, außer einmal, da warf man ihn die Stiegen hinab.

Er kann das Pulver riechen.

Er kann den Haufen wohl vermehren, aber nicht verbessern.

Er kann durch ein Brett sehen, wenn`s ein Loch hat.

Er kann einem das Maul machen, vom Polster herabschwätzen, um sich darauf zu setzen.
Einen vom Polster schwatzen und sich darauf setzen.
Man schwätzt oft einen vom Polster und setzt sich an seiner statt drauf.
(Einem das Maul machen bedeutet, den anderen zu betrügen, zu täuschen, übervorteilen und ähnliches. Während in den Bayrischen Sprichwörtern von Thomas Mayer 1812 das ganze Sprichwort steht, wird bei Körte 1837 und Braun 1840 der 1. Teil von Mayer weggelassen. Andreas Sutor schreibt 1740 nur „Einem das Maul machen“. Die älteste Version ist die unterste, die 1610 im „Florilegium ethico-politicum“ von Janus Gruterus steht. Bei Wander im Sprichwörter Lexikon steht es als drei verschiedene Sprichwörter unter Maul Nr. *363, Polster Nr. *7 und Schwatzen Nr. 9.)

Er kann einen Bock zwischen den Hörnern küssen.

Er kann einer Laus ein Paar Stelzen machen.

Er kann große Bäume ausreißen.

Er kann gut Rinken gießen.
(Rinken, Kesselrinken = alte Bezeichnung für einen Kesselring. Ein Griff am Kessel, der lose und beweglich oben am Kessel befestigt ist, um heiße Kessel gefahrlos greifen und transportieren zu können. Bevor es Türklingeln gab, wurden Ringe (Rinken) auch an Haustüren als Türklopfer verwendet.)

Er kann gut suchen, aber nicht gut finden.

Er kann Hufeisen verdauen.

Er kann mehr als Brot essen.

Er kann mit der großen Glocke läuten.

Er kann mit einem Pflaster zwei (alle) Schäden heilen.

Er kann nichts dazu, dass die Frösche keine Schwänze haben.

Er kann nichts, denn fromm sein.
(Das bedeutet, er kann eigentlich nichts, denn es bedarf etwas mehr dazu, sich in der Welt zu behaupten und gegen andere feindliche Menschen durchzusetzen.)

Er kann Pferdeeier essen, wo unsereins mit Hühnereiern vorlieb nehmen muss.

Er kann's kleine Hexenwerk - und's große treibt er.

Er kann's nicht und will dafür eins husten.

Erkannter Irrtum führt zur Wahrheit.

Er kann vor Gewinn nicht reich werden.

Er kann weder gatzen noch Eier legen.
(gatzen = gackern, schnattern, schwätzen, stottern, stockend sprechen.)

Er kann weder singen noch sagen.

Er kauft bei reichen Jungfern Seide.

Er kauft den Haber (Hafer) von der Gans.
(Das bedeutet, er kauft den Hafer, oder auch andere Dinge, sehr teuer, zu teuer.)

Er kehrt vor fremder Tür und hält seine eigne nicht rein.

Er klagt sich wie eine rinnende Pfanne.

Er klagt über den Nagelwurm und leidet am Krebs.

Er kommt allzeit wieder, wie 'ne Mücke.

Er kommt auf keinen grünen Zweig.

Er kommt aus dem Grabe und fragt nach dem Tod.
(Sprichwort auch in Frankreich)
Er lässt sich keine Spinne überm Maul wachsen.
Er kommt vom Pferd auf den Esel.
Es kommt mancher vom Pferd auf den Esel.

Er kommt vom schelmen auf den Dieb.

Er könnte dem Teufel selbst graue Haare machen.

Er lädt gern Gäste in andrer Leute Häuser.
(Zu den ungeladenen Gästen gehören auch die, welche der geladene Gast als gute Freund mitbringt.)

Er lässt den Schwanz hängen wie ein begossener Hund.

Er lässt die Welt auf seinem Daumen tanzen.
(Er bestimmt alles und die ganze Welt tanzt nach seiner Pfeife.)

Er lässt nichts liegen als Mühlsteine und heiß Eisen.

Er lässt sich keine Spinne überm Maul wachsen.

Er läuft davon wie's Hündlein von Bretten.
Es geschieht ihm, wie dem Hündlein zu Bretten.
(Das bedeutet, jemand ist treu bis in den Tod und es wird im zu Lebzeiten nicht gedankt. Nach einer Version kaufte der Hund für seinen Herrn mit einem Korb alleine alles ein und bekam zum Lohn nur einen Knochen. Einmal wurde ihm von einem Schlachter der Schwanz abgeschnitten und als Geschenk für seinen Herrn in den Korb gelegt. Zurück zu Hause legte er den Korb ab und starb. In einer anderen Version rettete er seine Heimatstadt vor Feinden, die ihm dafür ebenfalls den Schwanz abschnitten. Beides in dem Buch „Badisches Sagen-Buch“, Seite 411 - 414, aus dem Jahr 1846.)

Er läuft mit der Latte (oder mit dem Hölzchen).

Er läuft wie Klaus mit Säcken.

Er läuft zum Tisch wie eine Sau zum Trog.
(Das bedeutet, man geht ungewaschen, unrein und ohne Manieren zum Essen und frisst ungehobelt und maßlos in sich hinein, anstatt wie richtige Menschen mit ordentlichem Benehmen zu essen.)

Er lebt für sich, wie eine freie Reichstadt.

Er lebt im Stand der geflickten Hosen.
(Der Stand der geflickten Hosen ist der Ehestand.)

Er lebt vom Profit und macht Staat vom Betrügen.

Er lebt, wie 'ne Laus im Schorfe.
(Das bedeutet, er lebt im Überfluss.)

Er leckt die Finger darnach bis an den Ellenbogen.
(aus Nürnberg)

Er legt gern Eier in Andermanns Nester.

Er legt seine Pferde noch ins Bett.

Er lehrt die Fische schwimmen und die Tauben fliegen.

Erlenholz und rotes Haar sind auf gutem Boden rar.
Erlenholz und rotes Haar sind aus gutem Grunde rar.
(Gegen rote Haare und Bärte gab es schon immer unbegründete Vorurteile. Im Zweifel oder bei unbekannter Ursache waren immer andere Schuld, oder anders aussehende. Da rote Haare und Bärte im Vergleich zu anderen Haarfarben eine Minderheit sind (nur ca. 2 %), war und ist es einfach, ihnen für alles Unglück oder Schlechte die Schuld zu geben. Gegen Vorurteile helfen die besten Beweise nichts, sieh heute in der Politik und den Parteien! Meist schreien diejenigen „Lügenpresse“, die selbst die größten Unwahrheiten verbreiten. Viele Menschen versuchen auch heute noch andere für eigenes Versagen oder Unvermögen haftbar zu machen, auch wenn es nur die Aufdeckung eigener Täuschungsversuche ist.)

Er liegt auf seinem Geld, wie der Hund auf dem Heu.
(Wenn der Hund auf dem Heu liegt, trauen sich Kühe, Pferde und andere Tiere nicht heran um zu fressen. Der Hund selbst hat keine Verwendung für das Heu, die anderen Tiere aber müssen wegen ihm hungern, weil sie nicht ans Heu kommen. Genauso verhält es sich mit dem Geld: Wer viel Geld hat und sich nur darauf ausruht, hat keine Verwendung dafür. Anderen fehlt es deswegen, die damit arbeiten und Geschäfte machen könnten. Die Wirtschaft erliegt und es gibt keinen Fortschritt. In der heutigen Zeit wird von etlichen Banken lieber mit Aussicht auf hohe Gewinne und hohem Risiko spekuliert, Unternehmer. Unternehmer, die Kredite benötigen, können die hohen Zinsen nicht bezahlen oder bekommen wegen mangelnder Sicherheiten gleich gar kein Geld und Wirtschaft und Fortschritt liegen am Boden. So geschehen 2008 und möglicherweise bald wieder.)

Er liegt in der Andacht wie der Pfaff vor dem Palmesel.

Er liest gern in Büchern, wo man die Blätter mit dem Knie umwendet.

Er lobt den Storch, damit er ihm übers Jahr rote Schuhe bringe.

Er lobt sich (selbst), weil seine Nachbarn nicht zu Hause sind.

Er lohnt ihnen wie der Henker.

Er lügt das Blaue vom Himmel herunter.

Er lügt, dass ihm der Dampf zum Maul herausgeht.

Er lügt, dass sich die Balken biegen.
Er tut so gewaltig Lügen, das sich die großen Balken biegen.
Lügen, dass sich die Balken biegen.

Er lügt wie ein Buchdrucker.

Er lügt, wie ein Pferd laufen kann.

Er lügt wie gedruckt.
Er lügt, wie (als) wenn's gedruckt wär, und stiehlt, wie (als) wenn's erlaubt wär.
(Dieses Sprichwort steht bei Simrock und auch bei Körte, der Unterschied ist nur zweimal das Wort „wie“ bei Simrock, an dessen Stelle bei Körte „als“ steht. Folglich stehen bei Wander dafür zweimal das fast gleichlautende Sprichwort: unter Lügen Nr. *194 mit „als“ und unter Lügen Nr. *259 mit „wie“.)

Er macht Augen, wie die Gänse, wenn's Wetter leuchtet.

Er macht aus einem F– einen Donnerschlag.

Er macht ihn mit sehenden Augen blind.

Er macht Kalender fürs verwichene Jahr.

Er macht's wie der Bäcker, der steckt (schiebt) das Brot in den Ofen und bleibt selber draußen.

Er macht's wie der Truthahn in Dresden; spricht er nicht, so denkt er desto mehr.

Er macht's wie Fuggers Hund.

Er mag sich nicht bücken, ihm steckt ein Schelmenbein im Rücken.

Er malt schwarz und weiß aus einem Tiegel.

Er meint, er sei des großen Hunds Großvater.

Er möchte (kann) jeder Laus einen Stelzen machen und jeder Gans ein Hufeisen anlegen.

Er möchte wohl den Schild zu den Brüdern hängen.

Er muss das Mus essen.

Er muss einen Diebs-Daumen haben.
(Einem alten Aberglaube nach, soll ein einem gehenkten Diebe abgeschnittener Daumen Glück im Spiel bringen. Da Diebe heute nicht mehr am Galgen aufgehängt werden, kann das nicht mehr nachgeprüft werden.)

Er muss ein scharf Gesicht haben, der eine Jungfrau kennen soll.

Er muss es hinnehmen, als wenn ihn ein Hund gebissen hätte.

Er muss Hunde führen bis Bautzen.

Er muss in die Büchse blasen.
(Das bedeutet, er muss eine Strafe bezahlen.)

Er muss Lehrgeld geben, sagen die Spieler.

Er nagt immer an einem Knochen herum.
(Er bleibt immer bei derselben Sache und wiederholt sich dauernd.)

Er nähme bis an die Hölle zu, und wenn ihm die Haare und die Beine brennten, so nähme er doch.

Er nährt sich aus dem Stegreif wie ein Müller.

Er nimmt kein Blatt vors Maul.

Er nimmt's überhaupt, wie der Teufel die Bauern.

Er nimmt zu – wie ein Schürstecken.

Ernst und Scherz sind oft Nachbarn.

Ernst mit Scherz trifft das Herz.


Er passt gut ins Schlaraffenland, da gibt man einem fürs Schlafen ein Pfund die Stunde.
(Mit Pfund ist ein Geldbetrag gemeint.)

Er prangt wie die Laus auf einem Samtkragen.

Er putzt gern das Licht, er wird wollen ein schön Weib haben.

Er redet das Hundertste in’s Tausendste.

Er redet von der Sach wie der Blinde von der Farb.

Er reist wie des Müllers Karren: Der kommt allabends wieder zu Haus.

Er reitet einen bösen Esel: das Geckenpferd.

Er rennt mit dem Kopf gegen die Wand.
(Man versucht etwas Unmögliches und stößt sich den Kopf an unüberwindlichen Hindernissen.)

Errette einen Dieb vom Galgen, so wird er dir zum Ersten den Hals brechen.

Er richtet gern an - aus andrer Leute Häfen*15.

Er riecht nach Moschus wie der Teufel nach Muskaten.

Er riecht nach zwei Mal Sieben.

Er rühmt sich, dass er Milch geben möchte.

Er rührt's durcheinander wie der Sudelkoch allerlei Brühen.

Er sagt immer ja, damit er kein krummes Maul mache.

Er sagt: Wollt ihr's lassen, so lasst's, wo nicht, so lasst's bleiben.

Er sammelt die Asche und verstreut das Mehl.

Er sattelt den Ochsen und koppelt die Pferde.

Er sät Unkraut unter den Weizen.

Er schaut mit scheelen*28 Augen.

Er scheint sehr simpel, ist gleich (aber) sein Mantel doppelt.

Er schickt sich wie der Esel zum Lautenschlagen.

Er schimpft wie ein Rohrsperling (Rohrspatz).

Er schindet die Laus des Balges wegen.

Er schlägt einen Esel heraus und zehn herein.

Er schlägt nichts aus als Stöß und Schläge

Er schlägt es aus wie der Hund die Bratwurst.
Er schlägt's aus, wie der Bettler das Almosen.
Er schlägt's aus wie der Pfaff' das Opfer und der Bettler den Batzen*2.

Er schlägt sich an einen goldenen Galgen.

Erschleiche, was du nicht erlaufen kannst.

Er schlemmt, als hab' er's im Krieg geraubt.

Er schleppt seine Sachen herum, wie die Katze ihre Jungen.

Er schneidet mit dem großen Messer auf.
(Das bedeutet, er lügt und prahlt und ist ein Aufschneider, der mit erfundenen eigenen großen Taten Eindruck machen oder andere beeinflussen will.)

Erschrockener Feind ist auch erschlagen.

Erschrockene sind schon halb geschlagen.

Er schüttelt es ab wie der Hund den Regen.

Er schüttelt mit dem Kopfe, als hätte er Wasser in den Ohren.

Er schüttet den Brunnen zu, wenn das Kalb ertrunken ist (das Kind in den Brunnen gefallen ist).
(Erst, wenn es zu spät ist und das Unglück passiert ist, wird etwas für die Sicherheit getan.)

Er segnet sich zuerst wie die Pfaffen.

Er setzt den Bock auf die Haberkiste (Haferkiste).

Er sieht, als hätt' er Senf gegessen; wenn er lacht, fällt ein Turm um.

Er sieht anderer Leute Splitter, aber nicht seine eigenen Balken.

Er sieht aus, als ein Ochse, der den Fleischhauer entlaufen ist.

Er sieht aus, als wenn der Teufel Erbsen auf ihm gedroschen hätte.

Er sieht aus, als wenn er dem Teufel aus der Bleiche entlaufen wäre.
(Erklärung dazu von Wilhelm Körte 1837: Der Teufel bleicht nämlich schwarz, weil ihm alles Weiße und Lichte zuwider ist.)

Er sieht aus, als wenn er die Viehseuche erfunden hätte.

Er sieht aus, als wenn er Zehne gefressen hätte und der Elfte wär' ihm im Halse stecken geblieben.

Er sieht aus wie der Tod zu Basel.

Er sieht aus, wie ein Feld voll Teufel.

Er sieht aus, wie 'ne Sau, die Molken säuft.

Er sieht, dass die Milch davon sauer wird.

Er sieht den Rauch und weiß nicht, wo es brennt.

Er sieht den Wald vor Bäumen nicht.

Er sieht die Stadt vor Häusern nicht.

Er sieht durch die Finger.
(Wer durch die Finger sieht, sieht nicht so genau hin und drückt ein Auge zu. Er rügt nicht jede Kleinigkeit und sieht großmütig über kleine Fehler hinweg ohne sie zu beachten.)

Er sieht einem Schelm gleicher als einem Entvogel.

Er sieht einen weißen Hund für einen Bäckersknecht an.

Er sieht gern tanzen, aber mit den Zähnen nicht.

Er sieht nach dem Hühnerei und lässt die Gänse fahren.

Er sieht's an wie die Kuh ein neu Scheuertor*31.

Er sieht's der Kuh am A– an, was die Butter in Mainz gilt.

Er sieht sich um wie ein Hund, der das Fleisch aus dem Topfe gestohlen hat.

Er sieht so sauer, wenn er in die Milch sähe, sie versauerte.
Er sieht so sauer, sehe er in ein Fass Milch, sie würde sauer.
Der sauer und so ernstlich sieht, dass eine Milch vor seinem Gesicht ersauern sollt.

Er sieht so scharf als ein fränkischer Reiter: Der sah durch neun Kittel, wo Geld stecke.

Er sieht, was fliegt, aber nicht was kriecht.

Er sieht wie Herodes zum Fenster heraus.

Er sitzt auf dem Pferde, als wenn er drauf geschissen wäre.

Er sitzt wie eine Laus zwischen zwei Nägeln.

Er sitzt wie eine Made im Speck.
(Das bedeutet, man sitzt im Wohlstand und kann gut leben, da man von allem genug hat.)

Er sitzt zwischen zwei Stühlen in der Asche.

Er soll Vergebung seiner Sünden finden, wenn der Teufel sie erlangt.

Er sorgt, dass die Gänse barfuß gehen.

Er sorgt für ungelegte Eier.
(Ungelegte Eier sind Dinge, Pläne, Vorstellungen oder Träume, die noch nicht geschehen sind. Das größt ungelegte Ei ist die Zukunft selbst, über die sich die meisten besonders sorgen und darüber die Gegenwart vergessen und heute zu leben. Später sind es nur noch Vergangenheit und verpasste Möglichkeiten.)

Er spannt die Ochsen hinter den Pflug.

Erspart ist auch erobert.

Erspart ist so gut als erworben.

Er spielt Nummer sicher.

Er spricht aus zwei Mündern.
(Er ist unaufrichtig und spricht so, wie der eigene Vorteil es gerade will.)

Er spricht davon, wie der Blinde von der Farbe.

Erst besinn's, dann beginn's.
Erst denke, dann handle.
Erst denken, dann handeln.
Erst wäg's, dann wag's.
Erst wig's, dann wag's.
Erwäg's, dann wag's.
Erwig's, dann wag's!
Ehe wigs, denn wags, hab Rat vor der Tat.
Überschlag's, und dann wag's.
Wäg', ehe du wagst; besinn, ehe du sagst, damit du nicht Reue tragst.
Wigs vor, darnach wags, besinn es, dann beginn es.
(Man soll den Kopf gebrauchen, um deine Füße zu schonen. Bevor man handelt, sollte man darüber nachdenken, um mögliche vorhersehbare Fehler zu vermeiden und größere Erfolgsaussichten zu erzielen. Es kann auch eine Mahnung von anderen sein, die Ratschläge erteilen. Ein Sprichwort, das von sehr vielen für wichtig gehalten wird, dass es seit Jahrhunderten in verschiedensten Variationen (einige siehe oben) in den meisten Sprichwörtersammlungen bis heute zu finden ist)

Erst den Balken aus dem eigenen Auge und dann den Splitter aus des Nachbars Auge.

Erst der Magen, dann der Kragen.

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.

Erst die Last, dann die Rast.


Erst die Pfarre, dann die Quarre.
(Quarre = aus dem Niederdeutschen: eine quarrende Person, weinerliches Kind; zänkische Frau. Das Sprichwort bedeutet, man braucht erst eine feste Anstellung, ein Auskommen, bevor man sich eine Frau nehmen kann. Es kann auch als Warnung dienen, vor verfrühten (un)ehelichen Freuden, aus denen kleine und viel weinende Kinder entstehen. Für einen Geistlichen gesagt, bedeutet es, er muss die Witwe des Amtsvorgängers heiraten, um die Pfarrstelle zu erhalten.)

Er steckt das Messer neben die Scheide.

Er steckt einen Stock ins Rad.
(Er schadet und behindert andere, indem er Knüppel zwischen die Beine wirft.)

Er steckt Reifen auf, wenn kein Bier mehr im Keller ist.

Er steckt seine Nase in alles.

Er steckt voll Lurren und Schnurren.

Er steckt zwischen Baum und Rinde.
(Das bedeutet, man steckt in einer ausweglosen Sache, in der man weder vor noch zurück kann.)

Er steht bei der Wahrheit wie der Has bei der Pauke.

Er steht da wie St. Näf mit dem steinernen Mantel.
(Sprichwort in der Schweiz: Er steht da wie St. Näf mit dem steinernen Hosenladen.)

Er steht früh auf, er muss helfen Mittag läuten.

Er steht in Gnaden, wie der Weihkessel hinter der Tür.

Er steht noch bei ihm auf dem Kerbholz.

Er steht wie Butter an der Sonne.

Er stellt sein Netz den alten Krähen.

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt.

Erst gerecht, dann wohltätig.

Erst guter Wein, und wenn die Leute trunken sind, der schlechte, ist Wirtspraktik.

Erst in der Gefahr merkt man, was am Manne war.

Erst in Gefahr lässt sich erkennen, wen man in Wahrheit Freund kann nennen.


Er stirbt sine lux sine crux.

Erst kneten, dann backen.

Erst komm ich und wieder ich und nochmals ich, und dann kommen die andern noch lange nicht.

Erst Näschen haben, dann Prischen nehmen.

Erst Pater, dann Mater, dann der ganze Konvent.

Erst prächtig, jetzt verächtlich.
Vorhin prächtig, jetzt unmächtig.
Vorhin prächtig, jetzt verächtlich.
(Das 1. Sprichwort steht 1846 bei Simrock, das Mittlere 1840 bei Braun und Wander mischt beide 1873 zum unteren zusammen und gibt beide als Quelle an.)

Erst reich werden, dann Gott dienen.

Erst schmeicheln, dann kratzen, das schickt sich für Katzen.

Erst schmieren sie dich mit Honig ein, dann fressen sie dich hinterdrein.

Er studiert das Blaue vom Himmel herunter.

Erst wäg's, dann sag's.
Erwäg's, den sag's.
(Dieses Sprichwort, in dem man vor dem Sprechen abwägen soll, steht nur in den Sammlungen von Friedrich Peters (Petri, 1605) und von Georg von Gaal (1830). Alle anderen meinen, man sollte besonders vor den Taten nachdenken und abwägen. Siehe weiter oben: Erst besinns . .)

Erst wenn der Brunnen ausgetrocknet ist, weiß man das Wasser zu schätzen.

Erst, wenn der Brunnen trocken ist, schätzt man das Wasser.

Er sucht den Bären und steht vor ihm.

Er sucht den Esel und sitzt darauf.

Er sucht den fünften Zipfel am Sack.

Er sucht einen Narren, vorm Spiegel fänd er ihn.

Er sucht eine Stecknadel im Heuhaufen.

Er sucht und bittet Gott, dass er nicht finde.

Er tanzt, bis er auf dem Rücken in die Kirche geht.
(Das ist ein Tanzwütiger, der ohne Rücksicht auf Verluste nur tanzt, bis er stirbt und auf dem Rücken liegend zu Grabe getragen wird.)

Er taugt weder zu sieden, noch zu braten.
(Das bedeutet, er ist unentschlossen und kann sich zu nichts entscheiden.)

Er traf den Hirsch - mit einer Kugel in die hintere Klau und durch beide Ohren hinaus.

Er trägt das Licht mit Körben an den Tag.
(Er vergeudet nutzlos seine Zeit)

Er trägt die Kirche ums Dorf.

Er traut seinen Schenkeln mehr als seinen Händen.
(Das bedeutet, der Furchtsame wird seine Schenkel und Beine eher zur Flucht gebrauchen, als seine Arme und Hände, um zu kämpfen.)

Er treibt die Hunde aus und geht selbst mit.

Er trübt kein Wasser.

Er tut, als sei ihm geboten, in Eile zu verderben.

Er tut, als wär' der Papst sein ärmster Vetter.

Er tut's so gern, wie der Bauer in den Turm steigt.
(Der Turm war früher das Gefängnis. Es konnte auch ein Schuldturm sein, ein Gefängnis, aus dem man erst nach Bezahlung seiner Schulden entlassen wurde.)

Er übersieht's wie der Blinde das Dorf.

Er verkauft Blei für Gold.

Er verspricht goldene Berge und ist keinen Heller wert.

Er versteht einen alten Hund davon.

Er wächst wie die reife Gerste.

Er wächst zur Erde wie eine Zwiebel.

Er wartet des Eis und lässt die Henne fliegen (laufen).

Er wechselt den Balg und behält den Schalk.

Er weiß mit der Laute umzugehen, wenn er sie unter'm Arme hat.

Er weiß sich nicht zu raten, noch zu helfen.

Er weiß so viel davon wie die Kuh vom Sonntage.

Er weiß, was Bisam ist und was Marderdreck.

Er weiß weder Gicks noch Gacks.

Er weiß, wie man die Kastanien aus dem Feuer holt (aus den Kohlen nimmt).
(Man lässt andere gefährliche Arbeiten erledigen und sich die Finger verbrennen.)

Er weiß, wo Barthel den Most holt.

Er weiß, wo das Gold im Rheine liegt.

Er weiß, wo der Teufel den Schwanz hat.

Er weiß, wo der Teufel sein Nest hat.

Er weiß, woher das Wasser zur Mühle fließt.

Er weiß wohl, was er noch am Rocken*27 hat.

Erwerben und Sparen zugleich, macht am gewissesten reich.

Er wetzt mehr den Schnabel als den Säbel.

Er will andrer Leute Ratten fangen und fängt sich selber nicht die Mäuse.

Er will das Tuch an fünf Zipfeln fassen.

Er will den Bock melken.

Er will den Hühnern die Schwänze aufbinden.

Er will fliegen, eh er flügg ist.
Er will fliegen, eh ihm die Federn gewachsen sind.

Er will Gott und Teufel in ein Glas bannen.

Er will mit einer Tochter zwei Eidame*9 beraten.

Er will mit Stiefeln und Sporen in den Himmel.

Er will nach Rom und fährt den Rhein hinunter.

Er will seinen Vater lehren Kinder machen.

Er will überall mit im Troge liegen.

Er will uns weismachen, Gott heiße Gerhard.

Er wird den Rinken auch an der Türe lassen!
(Rinken, Kesselrinken = alte Bezeichnung für einen Kesselring. Ein Griff am Kessel, der lose und beweglich oben am Kessel befestigt ist, um heiße Kessel gefahrlos greifen und transportieren zu können. Bevor es Türklingeln gab, wurden Ringe (Rinken) auch an Haustüren als Türklopfer verwendet.)

Er wird ein gelehrter Kauz werden, wenn er unter die Stoßvögel kommt.

Er wird seine fünfzehn Heller*17 schon kriegen.

Er wirft überzwerch und gewinnt kreuzweis.
(überzwerch = aus dem Mittelhochdeutschem aus Süddeutschland und Österreich: quer; über Kreuz.)

Er wollt' einen Schnitt machen und hat sich geschnitten.

Er würde einem vor der Sonne stehen, wenn er könnte.

Er würd' ein guter Schultheiß, er kann tun, was die Leute verdrießt.

Erwürg’s nicht alles, nimm's eines Teils gefangen.

Er zäumt das Pferd beim Schwanz (von hinten) auf.

Er zecht auf den alten Kaiser.

Erziehst du dir einen Raben, so wird er dir ein Aug ausgraben.
Erzieh(e)st du dir einen Raben, so wird er dir zum Dank die Augen ausgraben.

Er zieht einen Heiligen aus, um den anderen zu bekleiden.

Er zieht etwas durch das Auge der Schere.
(Durch die Grifföffnung ziehen, auf unehrliche Weise Gewinn machen.)

Er zieht einem das Fell über die Ohren.
(Das bedeutet, man nimmt ihm alle seine Habe, seinen ganzen Besitz.)

Er zieht eine Schlange im Busen auf.
Eine Schlange im Busen nähren.
(Das Sprichwort geht auf die Fabel „Der Wanderer und die Schlange“ des griechischen Fabeldichters Äsop zurück: Ein Wanderer fand im Winter eine vor Kälte erstarrte Schlange. Er nahm sie aus Mitleid unter seinen Mantel und wärmte sie. Als die Schlange aufgewärmt war, regte sie sich und bis den Wanderer in die Brust. Bevor der Wanderer am Gift der Schlange stirbt, denkt er, er hätte es wissen können, dass die aufgewärmte Giftschlange ihn beißen würde. Durch den Aberglauben von Milch trinkenden Schlangen entstand später der Mythos, vom am Busen nähren.
Das bedeutet, man fördert jemanden und tut ihm Gutes, der sich später als undankbar herausstellt und sich gegen seinen Wohltäter wendet und ihm Schaden zufügt. Meist hat man es vorher schon gewusst aber etwas anderes gehofft und die Augen vor den Tatsachen verschlossen. Die Moral, von Bösen, zu denen die Giftschlangen gezählt wurden, ist auch nur Böses zu erwarten.)

Er ziert die Gesellschaft wie der Bock den Marstall.

Er ziert die Gesellschaft wie der Esel den Rossmarkt.
Er ziert sein Geschlecht wie der Esel den Rossmarkt.

Er zittert schon vor der Scheide.

Er zög` einem Dieb die Hosen vom Galgen aus, wie Kunz Zwerg.

Er zündet Kerzen für den Teufel an.
(Er schmeichelt sich auf allen Seiten ein und versucht, sich auf allen Seiten, auch gegnerischen, Freunde zu machen.)